János Térey

Die Wiederweihe des Klosters

Die gemeine Horde zieht endlich
ab. Der Prior winkt, und wir
schwärmen hervor ans Licht. Hervor, ohne
Bedenken, unter den angekohlten

Bögen des Refektoriums. Im Tal
das faul gewordene Zwielicht über den Wild-
wassern, in der Mitte die einst
als unüberzwingbar geglaubten Klostermauern.

Wie allezeit: genauso jetzt.
Ziegel, Mörtel und die aufeinander abgestimmte
Verrichtung der Arbeiten. – Alles wird wieder aufgebaut.
In der Tiefe des familiären Dämmerlichts das Ewige Licht.

Der Bibliothek schwerer Duft, weiter drüben die knisternden Holzscheite. –
Der Überdruß der geschmacklosen Speisen, der Gestank
unserer feuchten Zellen. Unabsehbare
Fastenzeiten und aggressive Winter.

Diese trockene Andacht ist ein zu schweres
Joch. Nein, der Vertreibung weine
ich nicht nach. Illusionen hatte ich nie.
Aber, mein Herr, frohlocken kann ich nicht.

 

 

 

Das ist die Woche vor der Okkupation

Das ist die Woche vor der Okkupation.

Ich werde hinaustreten, Nebel wird sein und die Arbeit wartet.
Nichts liegt in der Luft. Erneut eine Kurve,
wir sind schon beim Szász-Garten.
Die Straßenbahn ist ungewöhnlich überfüllt,
und wahrscheinlich bin ich zu spät dran.
– Um vier Uhr komme ich los. Im Kaffeehaus
machen sich zwei lärmende Griechen am Nachbar-
tisch wichtig und der eine klimpert mit seinem
Schmuck. Das irritiert mich immer mehr.
Ich will gerade gehen, aber sie kommen mir zuvor.
Mobilisierung, schon seit zwei Wochen. Meine Liebe,
du bist außerhalb davon. Ich platze herein,
du stehst in der Küche zwischen deinem Eingemachten.
Das Kind schläft. Endlich besprechen wir,
im September dann wieviel und für was,.

Die Gasse der orthodoxen Juden schweigt,
als ich sie quere. Um wieviel ist das besser so.
Jeder duckt sich, und inzwischen dunkelt es,
zur Sorge besteht einstweilen kein Grund.

Bald wird dieses Viertel zusammenbrechen,
dann versinken, uns aber werden sie
ausrotten. Ich halte den Mund,
obwohl ich Argumente habe.

Aus dem Ungarischen von Christine Rácz