Noémi Kiss: Fekete-fehér. Tanulmányok a fotográfia és az irodalom kapcsolatáról
[Schwarz-Weiß. Studien zur Beziehung von Fotografie und Literatur.] Műút könyvek, Miskolc 2011, 160 Seiten.

Klappentext von Zsófia Bán

Wie Barthes schreibt, ist es seit langem bekannt, dass die Fotografie der Wörter bedarf, denn sie vermag ihre Gegenstände nur auf indirekte Weise zu fassen. Noch länger aber ist bekannt, dass die Wörter jedoch der Bilder bedürfen, denn indirekte Inhalte können am wirkungsvollsten auf indirekte Weise, durch Bilder zum Ausdruck gebracht werden. Wenn wir diese beiden Behauptungen als wahr annehmen, dann scheint es kaum ein Paradox, dass die Fotografie und die Geschichtswissenschaft in demselben Jahrhundert erfunden wurden. In beiden meinen wir die Vergangenheit, die Bilder der Vergangenheit zu entdecken, doch kann diese Vergangenheit für uns nur dann bedeutungsvoll werden, wenn wir in ihr zugleich uns selbst und unsere Gegenwart erblicken. So wie nicht nur ich den Text lese, sondern der Text auch mich liest, so sehe auch nicht nur ich die Fotografie an, sondern auch sie mich – sie sieht zurück. Gerade diese zweifache Bindung ist es, die für uns mit derart unwiderstehlicher Kraft eine Anziehung in beide Richtungen darstellt. Und wenn sich in einem Werk diese beiden auf ästhetisch gültige Weise vermischen, dann verstärkt sich diese Kraft und ist häufig in der Lage, eine einzigartige Wirkung auszulösen. So ist es wohl kaum verwunderlich, dass die Aufgaben bei der Beschäftigung mit Werken dieser Art ebenso unwiderstehlich sind, ja ganz und gar selbstverständlich wie das, wenn wir uns in der Leidensgeschichte einer Frau aus dem neunzehnten Jahrhundert sehen oder im Blühen eines Birnbaums. Die Essays von Noémi Kiss bieten den Lesern nuancierte Textbilder dieser Anziehung.

Aus dem Deutschen von Éva Zádor